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  • Jutta Schweiger

Die Kraft der Fragen


Ich liebe Fragen. Und manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich fast panisch werde bei dem Gedanken, dass ein einziges Menschenleben nicht ausreichen kann, um alles zu fragen.


In einem meiner Lieblingsbücher "Wie wir die Welt verändern" von Stefan Klein mit dem Untertitel "Eine kurze Geschichte des menschlichen Geistes", begeben wir uns auf unglaublich spannende Weise auf eine Reise durch die Geschichte menschlicher Kreativität bis hin zur Ära künstlicher Intelligenz. In Kleins Erzählung wird deutlich, dass Kreativität kein individuelles Talent ist, sondern zwischen Menschen entsteht. Die Energie von Gemeinschaft, an die auch ich so sehr glaube, spielt für Stefan Klein eine entscheidende Rolle. Die Zukunft des Denkens und die unbegrenzten Möglichkeiten unserer menschlichen Kreativität, werden in diesem Buch auf poetische, mitreißende und unterhaltsame Weise beschrieben. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Teil, in dem Stefan Klein darüber schreibt, wie wertvoll die menschliche Fähigkeit ist, Fragen zu stellen. Und das hat mich dann wieder einmal zu Alex F. Osborn gebracht:


Der amerikanische Werber Alex Faikney Osborn war einer der bekanntesten Vordenker der kreativen Industrie. Er war 1928 Gründungsmitglied einer der größten Werbeagenturen der Welt: BBDO (Baaton, Barton, Durstine & Osborn) und gilt als der Erfinder des Brainstorming.


Alex F. Osborn erkannte, dass man mit der richtigen Fragestellung am Anfang des kreativen Prozesses deutlich mehr und vor allem deutlich bessere Ideen in kürzerer Zeit generieren kann. Er formulierte einen Fragenkatalog, der als Osborn-Checkliste berühmt wurde.

Neun Prinzipien ermöglichen einen anregenden Ideenfluss mit immer neuen Denkanstößen aus verschiedenen Perspektiven. So lassen sich schnell und einfach Produkte verbessern, Konzepte & Strategien finden, Botschaften formulieren und bestehende Ideen auf den Punkt bringen und zu Lösungen zu entwicklen.


Die Osborn-Checkliste:


Substitute. Austauschen, Ersetzen, Bild-, Wortwechsel. Combine. Verknüpfen, Zusammenfügen, Mischen. Adapt. Anpassen, Vergleichen, Nachmachen, Ähneln. Magnify. Vergrößern, Übertreiben, Formate sprengen. Modify. Verändern (Form, Funktionen, Blickwinkel). Put it to other use. Anders verwenden, Neuen Nutzen finden. Eliminate. Entfernen, Vereinfachen, Regeln brechen. Rearrange. Neu ordnen, Umstellen, Unsichtbares zeigen. Reverse. Umkehren, das Gegenteil machen, Neu anfangen.


Bob Eberle machte dann 1996 aus dieser Checkliste das merkfähige Akronym: SCAMPERSubstitute, Combine, Adapt, Modify (Magnify), Put to other use, Eliminate, Rearrange (Reverse).


Um komplexe Problem effizient lösen zu können, ist diese Methode wirklich Gold wert und sollte meiner Meinung nach bereits in Schulen unterrichtet werden, weil wirklich jeder Mensch davon profitieren kann.


SCAMPER In Action:


Am Anfang der Ideenfindung gilt es, sich nur um die Fragen zu kümmern. Nicht um die Antworten. Die richtige Frage für den Ideenfluss zu finden, ist der erste und einer der wichtigsten Steps in diesem Prozess. Bereits hier hilft die Osborn-Checkliste.


Suche Dir Begriffe der neun Prinzipien aus und formulieren daraus Fragen zu Deiner individuellen Herausforderung:


Was kann ich übertreiben, um die Aufmerksamkeit des Kunden zu erhöhen? Wie erzeuge ich Begehrlichkeit, in dem ich den Rahmen sprenge? Wie wird der unsichtbare Produktnutzen sichtbar? Wie wird aus dem Nachteil ein Vorteil? Wie kann ich das Produkt vereinfachen?

...


Kümmere Dich noch nicht um die Antworten. Kümmere Dich nur um die Fragen.


Je origineller die Fragen sind, desto origineller werden später die Antworten sein.

Schaffst Du es, 100 Fragen zu formulieren? Ich habe es noch nie geschafft. Aber ich nehme es mir immer wieder vor, weil ich weiß, wie Stark die Kraft der Fragen ist. Solltet Ihr von Beginn an im Team arbeiten: Formuliert Fragen um die Wette. Spornt Euch gegenseitig an, oder führt Eure Fragen zusammen und vergleicht, wieviele Überschneidungen es gibt.


Markiere anschließend die besten Fragen und beantworte sie. Gib Dich nie mit den erstbesten Ideen zufrieden. Assoziiere Deine Ideen weiter. Immer weiter. Mindestens 20 Minuten lang. Und Du wirklich nicht mehr kannst und der Ideenfluss ins Stocken gerät, hilft ein Blick auf Deine Frageliste. Gehe alle Fragen noch einmal der Reihe nach durch und warte darauf, dass Deine kreativen Quellen wieder sprudeln.


Die Pause:


Wenn Du das Gefühl hast, alle Antworten gefunden zu haben, gönn Dir eine Pause. Hol Dir einen Kaffee, schau aus dem Fenster oder noch besser: gehe spazieren. Eine andere, sehr effektive Methode ist ein Power Nap von 20-30 Minuten. Oft kommen die allerbesten Ideen erst in den Pausen. Darum empfehle ich immer, viele Pausen zu machen.


Die Entwicklung:


Nach der Erholungsphase geht es mit der systematischen Verbesserung der ersten Ideen weiter.

Hier liegt die eigentliche Stärke der Osborn-Checkliste:

Zerlege Deine Rohideen in einzelne Bestandteile. Nimm dann jedes Detail der Reihe nach unter die Lupe und frage Dich erneut: Wie kann ich das Detail austauschen, ersetzen, verknüpfen, zusammenfügen, mischen, anpassen, vergleichen, nachmachen, ähneln, vergrößern, übertreiben, verändern, anders verwenden, entfernen, vereinfachen, neu ordnen, umstellen, umkehren …


Mein Tip für Teams:

Schreibt die Begriffe der Checkliste auf verschiedene Karteikarten und zieht Sie in Eurem Brainstorming im richtigen Moment, um neue Impulse zu bekommen.


Möchtest Du diese und andere Methode in einem Training oder Workshop-Format lernen und üben, oder willst Du Dich & Dein Team auf Hochtouren bringen? Dann lass uns reden.


Deine Jutta



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